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Farbton Nr. 01
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INCI lesen: So entschlüsselst du die Zutatenliste von Mascara, Kajal und Augencreme

Geöffnete Lidschattenpalette mit vielen runden Farbpfännchen in Rosé, Violett und Beige

Dreh die Mascara um und du siehst einen Absatz aus lauter Wörtern, die nach Chemielabor klingen. Dabei ist die Liste gar nicht so schwer zu knacken. Mit ein paar Handgriffen weißt du in einer Minute, woraus ein Augenprodukt im Kern besteht.

Was INCI bedeutet

INCI steht für „International Nomenclature of Cosmetic Ingredients“. Das ist eine einheitliche Benennung: Ein Inhaltsstoff trägt in ganz Europa denselben Namen, meist auf Englisch oder Latein. Deshalb steht dort „Aqua“ statt Wasser und „Cera Alba“ statt Bienenwachs. Manche Hersteller drucken zusätzlich eine deutsche Übersetzung ab, doch sie muss nicht vollständig sein. Maßgeblich ist immer die INCI-Liste.

Von vorn nach hinten lesen

Die Zutaten stehen nach Menge geordnet: Was vorne steht, ist am meisten enthalten. Bei Mascara steht fast immer „Aqua“ an erster Stelle, denn Wasser ist die Basis. Gleich danach folgen meist Wachse und Fette, die der Tusche Form und Halt geben.

Eine Besonderheit gilt für den hinteren Teil: Stoffe, die in einer Konzentration von weniger als einem Prozent enthalten sind, dürfen in beliebiger Reihenfolge stehen. Ab etwa der Mitte der Liste sagt die Position also nicht mehr viel über die Menge aus. Das betrifft oft Duftstoffe, Konservierer und Farbpigmente.

Lidschattenpalette mit Spiegel und verschwommenen Pinseln auf hellem Fell

Ein Beispiel zum Üben

Stell dir diese erfundene Liste vor: Aqua, Cera Alba, Copernicia Cerifera Cera, Stearic Acid, Glycerin, Acrylates Copolymer, Iron Oxides (CI 77499), Phenoxyethanol, Parfum.

Gelesen von vorn: Wasser als Basis, dann Bienenwachs und Carnaubawachs für Struktur, eine Fettsäure als Helfer für die Konsistenz, Glycerin als Feuchthalter, ein Filmbildner, der die Tusche auf den Wimpern haften lässt, ein Eisenoxid als Farbpigment, ein Konservierungsmittel und ein Duftstoff. Schon beim ersten Durchlesen erkennst du das Grundmuster.

Wortfamilien, die dir immer wieder begegnen

  • Wachse: Namen mit „Cera“ oder „Wax“, etwa Cera Alba (Bienenwachs) oder Copernicia Cerifera Cera (Carnaubawachs).
  • Öle und Fette: Namen, die auf „Oil“ oder „Butter“ enden, zum Beispiel Ricinus Communis Seed Oil oder Butyrospermum Parkii Butter.
  • Farbpigmente: Eine „CI“-Nummer (Colour Index) mit fünf Ziffern oder „Iron Oxides“. Bei Augenprodukten stehen sie meist weit hinten.
  • Filmbildner und Polymere: Begriffe wie „Acrylates Copolymer“. Sie sorgen dafür, dass die Tusche hält und nicht bröselt.
  • Konservierungsmittel: Zum Beispiel Phenoxyethanol, Potassium Sorbate oder Sorbic Acid. Sie sind der Grund, warum Produkte mit Wasser überhaupt monatelang im Bad stehen dürfen.
  • Duftstoffe: „Parfum“ oder „Aroma“, manchmal zusätzlich einzeln aufgeführte Stoffe.

Und bei Kajal und Lidschatten?

Die Logik bleibt dieselbe, nur die Basis ändert sich. Ein Kajalstift beginnt oft mit Ölen, Wachsen und Fettsäuren statt mit Wasser. Bei gepresstem Lidschatten stehen vorne meist Talkum oder Glimmer (Mica) und ein Bindemittel, danach folgen die Pigmente. Wer die Wortfamilien kennt, findet sich in jeder Produktart sofort zurecht: erst die Basis, dann die Helfer, ganz hinten Farbe, Duft und Konservierer.

Parfum, Allergene und der Begriff „natürlich“

Duftstoffe dürfen unter dem Sammelbegriff „Parfum“ stehen. Nur bestimmte Duftstoffe, die als Allergene bekannt sind, müssen einzeln genannt werden. Wenn du im Augenbereich lieber auf Duftstoffe verzichtest, achte darauf, ob „Parfum“ am Ende der Liste steht, oder greif zu Produkten mit der Aufschrift „ohne Duftstoffe“.

Auch „Naturkosmetik“ ist als Begriff nicht geschützt. Es gibt mehrere Siegel, die Orientierung bieten, aber keines gilt einheitlich. Die INCI-Liste zeigt dir am Ende mehr als jede Werbeaussage auf der Vorderseite.

Die beste Methode: drei Fragen an jede Liste

  1. Was steht vorne? Dort liegt der Charakter des Produkts: wasserbasiert, ölig oder wachsig.
  2. Was kenne ich nicht? Notiere dir unbekannte Namen und schlage sie nach, bevor du kaufst. Die EU führt dafür eine öffentliche Datenbank für Kosmetik-Inhaltsstoffe, CosIng.
  3. Was steht ganz hinten? Dort sammeln sich Duftstoffe, Pigmente und Konservierer. Auch kleine Mengen können für dich eine Rolle spielen, wenn du bestimmte Stoffe meiden möchtest.

Eine „beste“ Liste gibt es übrigens nicht. Lang heißt nicht schlecht, kurz heißt nicht gut. Entscheidend ist, dass du verstehst, was du dir aufs Auge setzt, und dass es zu deinem Alltag passt.

Kurz gefragt

Steht die Liste auf jeder Packung? Nicht immer. Bei sehr kleinen Produkten fehlt sie manchmal auf der Verpackung. Dann muss sie am Regal oder in Reichweite des Produkts einsehbar sein. Beim Online-Kauf lohnt sich ein Shop, der die vollständige Liste zeigt.

Warum stehen Farben als Zahlen da? Farbmittel tragen eine CI-Nummer aus dem Colour Index. Ein „CI“ gefolgt von fünf Ziffern ist also schlicht der Name eines Pigments.

Muss ich jeden Namen verstehen? Nein. Wenn du die Wortfamilien kennst, erkennst du das Grundmuster. Alles Weitere kannst du bei Bedarf nachschlagen.

Kann mir die Liste sagen, ob ich ein Produkt vertrage? Nein. Die Liste zeigt nur, was enthalten ist. Fragen zur Verträglichkeit gehören zu Hautärztin, Hautarzt oder Apotheke.